Ich bin gerade dabei, Vorräte für den kalten Winter anzulegen. Und natürlich alles zu verarbeiten, was wir so mühsam (ok, mit viel Spaß) handgepflückt haben. Auf der Suche nach Ideen, was ich denn mit den Pflaumen machen könnte, habe ich mich an ein Rezept für Pflaumenketchup erinnert, das ich schon vor längerer Zeit mal bei Delia Smith gelesen hatte. Das Konzept von Ketchup, der (das?) nicht aus Tomaten besteht, ist mir immer wieder ein wenig fremd. Eigentlich gibt es wohl eine eher altehrwürdige Tradition, Ketchup auch aus anderen Basiszutaten zu erstellen, z.B. Pilzen, Pflaumen, Walnüssen etc. Von daher etwas Altes, das für mich dennoch etwas Neues ist. Das Zeug ist großartig. In meiner Vorsicht habe ich erstmal ein Viertel des angegebenen Rezeptes gemacht, aber ich kann anderen ruhigen Gewissens empfehlen, gleich die Originalmenge herzustellen. Ich habe nun nur zwei kleine Flaschen, was ich ein wenig bedauere. Reste, die nicht mehr in die Flaschen gepasst hatten, musste ich am nächsten Morgen sofort mit einem schönen, alten Käse ausprobieren: Ketchup und Käse harmonieren ganz wunderbar. Leicht süß, ein wenig säuerlich und mit fein abgestimmten Gewürzen ist es eine erstaunlich willkommene Erweiterung des Geschmackshorizontes. Wozu das (der?) Ketchup noch schmeckt, werde ich nach und nach herausfinden, nur eines ist sicher: die Idee, dass Ketchup grundsätzlich aus Tomaten zu sein hat, ist für mich endgültig gestorben. Ehrlich gesagt, mag ich gekauften Tomatenketchup eh nicht. Nur selbstgemachten. Momentan hat aber auch der keine Chance gegen die Pflaumenversion.
Ich gehöre zu dieser eher seltenen Gruppe von Menschen, die nahezu komplett ohne Ketchup und Mayo groß geworden sind und die diese Saucen erst nach & nach im Erwachsenenalter wirklich entdeckt. Dadurch, dass das dann meist in einer handgedrehten Variante passiert, schmecken die nahezu immer wunderbar. Ich darf dann nur nicht die gekauften Varianten ausprobieren: das ist eigentlich ausnahmslos in geschmacklichen Ebenen, die ich nicht erreichen möchte.
Das hier will man erreichen:

pflaumenketchup

Pflaumenketchup

ergibt 500 ml

  • 1 kg Pflaumen, halbiert und entsteint
  • 100 g Zwiebel, geschält und in Halbringen
  • 60 g Rosinen
  • 300 ml Apfelessig (oder anderer heller Essig)
  • 12 g Meersalz
  • 100 g Demerarazucker
  • 1-2 getrocknete Chilischoten
  • 1/4 TL ganze Pfefferkörner
  • 1/4 TL schwarze Senfsaat
  • 5 g Ingwer, geschält und frisch gerieben
  • 3-5 g Pimentkörner
  • 1 kleine Knoblauchzehe, ganz aber geschält

Pflaumen, Zwiebeln und Rosinen gemeinsam mit den Gewürzen (ab Chili, in ein Stück Mull gewickelt) in einen großen Topf geben, dazu kommt die Hälfte des Essigs. Zum Kochen bringen und eine halbe Stunde simmern lassen. Das Gewürzpäckchen herausnehmen. Die Pflaumen atomisieren. Perfekt atomisieren, zur Not indem die Pampe durch ein feines Sieb getrieben wird. Andere nehmen den Blender der Küchenmaschine zu Hilfe.
Brei, Gewürze, Salz, Zucker und restlichen Essig in einen sauberen Topf geben und für 1,5-2 Stunden leise köcheln lassen bis noch etwa 500 ml übrig sind. Ab und an währenddessen umrühren.
Wer mein Gottvertrauen hat, der füllt das Ketchup einfach sehr heiß bis ca. 2,5 Zentimeter unter den Rand in Flaschen mit Schraubverschluss, verschließt sie und glaubt ganz fest, dass das Ketchup kühl und dunkel gelagert nun nahezu unbegrenzt haltbar ist.
Paranoiker legen die Deckel auf die Flaschen, ohne sie ganz zu verschließen, und stellen sie auf einen umgedrehten Teller in einem großen Topf,  füllen Wasser bis 4 cm unter den Flaschenhals ein und kochen das Ganze für 10 Minuten, bevor die Flaschen endgültig verschlossen werden.

Vorratskammer füllen.

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