Ich war die letzten Tage leider ein wenig unpässlich und insgesamt unwillig mich dem Thema ‚Essen‘ auch nur theoretisch zu nähern. Da ich aber nun Licht am Ende des Tunnels sehen kann, kann ich mich auch wieder vorsichtig dem Thema nähern. Vorerst sicherheitshalber mehr theoretisch.
Am Zweiten Feiertag habe ich traditionell ein paar Freunde bei mir zum Essen. Auch wenn bei mir der Familienteil an Weihnachten wunderbar und entspannt ist, bei dem einen oder anderen meiner Freunde ist es das nicht und so haben sie am zweiten Feiertag die Möglichkeit sich aus de Familie zu entschuldigen, weil sie dringend bei mir zum Essen eingeladen sind. Normalerweise versuche ich, die Teilnehmer bei ungefähr sechs zu halten. Das war auch dieses Mal der Plan. Aber dann hat eine der Damen kurz vor Weihnachten abgesagt, entsprechend sind auf dem Bild (ok, es fehlen noch die Rotweingläser…) auch Tellerchen für fünf Menschen. Leider hat dann eine weitere der Damen zu meinem großen Bedauern am Abend selber wegen Krankheit absagen müssen.
Mein Deko-Gen ist nicht besonders ausgeprägt – entsprechend nicke ich immer nur dekomäßig ein wenig in die Richtung der jeweiligen Saison. Zu meiner Verteidigung: ich hatte tatsächlich noch einen hübschen Adventskranzersatz auf dem Sideboard. Ich wollte den Beitrag zumindest ein wenig bebildern, wenn ich schon die einzelnen Gänge nicht mehr fotografiert habe. Von kleineren Katastrophen abgesehen, war es ein sehr netter Abend.

Menüfolge

  1. Walnussbrot mit gesalzener Orangenbutter und dazu Rosmarin-Wodka-Fizz
  2. Tagliatelle mit Walnuss-Gorgonzola-Sauce, dazu einen Pinot Grigio Bosco del Merlo
  3. Ratatouille-Strudel, Cabernet Bosco del Merlo
  4. Lavendelcrème mit Kaffee

@ 1: das Walnussbrot habe ich in zwei kleinere, baguetteartig geformte Brote aufgeteilt. Der Teig ist über Nacht im Kühlschrank aufgegangen – Brot schmeckt mir mit langsamem Gehen besser als bei warmem Gehen.
Den Sirup habe ich fast genau wie in der Bastelanleitung gemacht, aber den Zitronen- durch Limettensaft (zwar bio- Direktsaft, aber  trotzdem nicht handgepresst) ersetzt. A winning combination. Das Brot ist toll, schmeckt wundebar mir gesalzener Orangenbutter und der Drink ist hervorragend. Nicht nur im Sommer, wie ich erst gedacht hatte.

@2: Die Tagliatelle habe ich am Vorabend handgedreht und ganz offensichtlich zu eng zusammengelegt, um sie antrocknen zu lassen. Als ich versucht habe, sie zu kochen… haben sie einen einzigen großen Klumpen gebildet, der sich ums verrecken nicht in einzelne Teile lösen wollte. Leicht entnervt bin ich auf normale Spaghetti umgestiegen. Mit leichter Zeitverzögerung konnten wir uns dann trotzdem dem zweiten Gang widmen. Die Sauce ist von Delia Smith. Das Tagliatellerezept werde ich hier nicht veröffentlichen, da es in einer, zugegebenermaßen selbstverschuldeten, Katastrophe geendet ist. Bei Erfolg werde ich es veröffentlichen.

Gorgonzola-Walnuss-Sauce

für 6 als Zwischengang

  • 250 g Walnüsse
  • 250 g Gorgonzola, gewürfelt
  • 125 g Butter
  • 300 ml Sahne
  • 8 Frühlingszwiebeln, in Röllchen
  • Salz, Pfeffer

Die Walnüsse hacken und in einer Pfanne trocken rösten.
Butter in einem Topf schmelzen und den Käse und Sahne dazugeben und ebenfalls schmelzen lassen. Bei niedriger Hitze leise köcheln lassen, dabei rühren, bis eine cremige Sauce entstanden ist. Frühlingszwiebeln und Walnüsse dazugeben, abschmecken. Mit den knapp al dente gekochten Teigwaren vermischen und portionsgerecht verteilen.

Der Weißwein hat ganz wunderbar dazu gepasst und kann genau so weiterempfohlen werden.

@3: Der Strudel ist auch von Delia Smith und ein wenig vorbereitungsintensiv, so dass ich ihn weniger für den entspannten Abend zu zweit oder auch nur als Essen dringend zu kochen nach einem langen Arbeitstag empfehlen würde. Er ist nicht schwierig in der Herstellung, nur nichts, das sich zwischen Tür und Angel erledigen ließe. Und ich würde ihn immer noch mal gern wieder machen: er schmeckt großartig. Selbst kalt ist er noch ziemlich gut zu essen, kann ich nur sagen. Die Kleine Prinzessin findet zwar, dass er etwas leicht pizzahaftes hat (wahrscheinlich die Kombination aus Tomate, Mozzarella und Teig), aber insgesamt sehr lecker. Es ist tatsächlich wichtig und richtig, dass die Ratatouille im Ofen hergestellt wird. Jede Topfvariante wäre zu feucht und würde nur Ärger verursachen.

Strudel mit Ofen-Ratatouille

für 6

Ratatouille aus dem Ofen

  • 2 mittlere Zucchini, gewürfelt
  • 1 kleine Aubergine, gewürfelt
  • je 1 kleine rote und gelbe Paprika, gewürfelt
  • 1 mittlere Zwiebel, in groben Würfeln
  • 500 g Tomaten, gehäutet und gewürfelt
  • 2 Knoblauchzehen, feingehackt
  • 1 große Handvoll Basilikumblätter, geschreddert
  • 1 gehäufter TL Koriandersaat, leicht im Mörser angestoßen
  • 3 EL Olivenöl
  • Salz

Strudel

  • 125 g Mozzarella, gewürfelt
  • frisch geriebenen Parmesan
  • 110 g Walnüsse
  • 75 g Butter, flüssig
  • 4 Yufka-bzw. Filoteigblätter, selbstgekauft. Am besten frisch und nicht TK. Größe: 45*28 cm pro Teigblatt.

Für die Ratatouille den Ofen auf 240° vorheizen. Alle Zutaten vermischen, auf ein großes Backblech geben und im Ofen ca. 30-40 Minuten im oberen Drittel backen. Es sollten sich zartbraune Ränder bilden.

Die Ratatouille abkühlen lassen. Den Teil kann man gut und gern am Vortag erledigen.

Zum Strudel: Die Walnüsse hacken und in einer trockenen Pfanne rösten. Butter schmelzen. Parmesan bereitstellen. Ein Blech mit Backpapier auslegen. Das erste Filoblatt darauf legen. Ein wenig mit Butter einpinseln, ein Viertel der Nüsse darauf verteilen und ein wenig Parmesan drüber reiben. Nächstes Teigblatt darauf legen, gleiches Spiel, bis alle Teigblätter aufgebraucht sind. Die Hälfte des Mozzarella auf dem letzten Teigblatt verteilen, so dass rundherum ca. 5 cm Teig frei bleibt. Ratatouille darauf verteilen, dann den restlichen Mozzarella. Mit Hilfe des Backpapiers von der Schmalseite her aufrollen und so auf das Backblech legen, dass die Naht unten ist, die Enden unter geschlagen. Ob auf dem Backblech jetzt unter dem Strudel Backpapier ist oder nicht ist reine Geschmackssache. Bei mir ist es das. Den Strudel mit Butter bepinseln. Bei 180° ca. 40 Minuten backen. Er sollte wunderbar gold-braun werden.
Man kann den Strudel am Tag des Essens im Laufe des Tages bis auf das Backen vorbereiten und unter einem Küchenhandtuch abgedeckt bis zum Backen liegen lassen. Oder den Strudel knapp fertig backen und dann noch einmal 10 Minuten im Ofen aufwärmen, wenn er gegessen werden soll.

Dazu gab es einen eher leichten Rotwein, der mich so mäßig überzeugt hat. Ich halte ihn eher für einen netten Sommerwein und würde ihn nicht unbedingt wieder zu dem Strudel nehmen. Vielleicht war auch der Kontrast zu dem schön kräftigen Weißwein ein  wenig stark… aber es hätte schöner harmonieren können.

@4: Die Crème hätte eigentlich gefroren sein sollen, aber mein Gefrierfach fühlte sich ein wenig überfordert, so dass die Crème nicht gefroren, sondern nur sehr schön kalt war. Auch nicht falsch, aber nicht ganz das, was mir vorgeschwebt hatte.
Dazu gab es vietnamesischen Kaffee und Wibele. Vietnamesischer Kaffe ist merkwürdig gemahlen und verstopft einem grundsätzlich jeden Filter, wenn man versucht, den Kaffee normal durch einen Filter zu jagen. Aus diesem Grund habe ich mir irgendwann eine Cafetiere zugelegt, die das Problem endgültig gelöst hat. Leckerer vietnamesischer Kaffee, ohne elendig langes Warten, bis es das Wasser endlich geschafft hat, sich durch den Filter zu quälen. Großartig.

Lavendelcrème

für 4-6

  • 600 g Schmand
  • 1 knapper EL getrockneter Lavendelblüten
  • 100 g Zucker

Alles gut miteinander verrühren und bis zur gewünschten Konsistenz ins Eisfach stellen. Dazu passen luftige, kleine Knusperkekse. Oder Schokolatentarte.

Achtung: bei mehr Lavendel hat das Ganze schnell ein wenig was von Bademilch.

Hinterher glücklich, aber erschöpft umfallen.

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