wenn man täglich freiwillig um 6.30 aufsteht, um pünktlich um 7.00 sich für ca. 1,5 Stunden beim Yoga zu verbiegen und (zumindest in meinem Fall) dabei zu schwitzen, als gäbe es dafür Preise. TK und ich sind nach Kreta gefahren, um ein wenig Yoga zu machen, am Strand zu entspannen und vielleicht an 2 Tagen ein wenig die Gegend anzuschauen. Yoga gab es bei Rhada und Pierre. Da wir das restliche Rahmenprogramm der beiden nicht haben wollten, sind wir im Hotel Agios Pavlos untergekommen und nur für die morgendlichen Mysore-Stunden in die Yogaschule gegangen.
Da es klar war, dass wir erst am Abend in Heraklion ankommen würden und Agios Pavlos wirklich mitten in der Pampa liegt – kein Bus fährt hin, der nächste größere Ort (mit Supermärkten) ist 15-20 km entfernt, es gibt kein Internet, kein Fernsehen, gar nichts – hatten wir im Vorfeld extra ein Auto MIT Navi gebucht. Leider hat das Navi nur Ortsangaben akzeptiert, die auf griechisch mit griechischem Alphabet eingegeben wurden. Selbst dann, wenn es auf Englisch umgestellt wurde. Beispiel die Ortschaft Mires, sie wurde im Navi nur mit dieser Schreibweise gefunden: Ηράκλειο Δ. Μοιρών. Das hat die Nachtfahrt eher … interessant gestaltet. Statt der üblichen 2 Stunden sind wir, mit 2maligem Verfahren, in immerhin knapp 3 Stunden bis ans Ziel gekommen. Dazu kam, dass ich das griechische Alphabet besser kann als TK und somit zum Beifahrer prädestiniert wäre, er aber seinen Führerschein daheim hat liegen gelassen… glücklicherweise hatte ich meinen mit dabei, für den Fall der Fälle. Das Ziel bei Tageslicht:

Unser Hotel

Ein kleines, aber sehr angenehmes Hotel, das schön in den Hang eingepasst wurde. Man merkt dem dazugehörigen Minimarkt an, dass es dort hauptsächlich Yogamenschen hinzieht: es gibt Rabenhorst Säfte und Demeter Produkte.

Hausstrand, vom Hotelzimmer aus

Der Hausstrand war in der Vorsaison beileibe nicht überlaufen – die Hauptsaison fängt hier etwa Mitte Juni an und geht dann bis Mitte/Ende September. Ich denke allerdings, dass es im Mai deutlich schöner ist. Obwohl wir vergleichsweise schlechtes Wetter abgegriffen haben (um die 25° und einige Tage Wind wie an der Nordsee statt windstille 30°), ist mir das lieber als die 40°, die es hier im Hochsommer hat. Abgesehen davon, blüht im Mai der Oleander ganz wunderbar, der Thymian und der Ginster. Andere Sachen blühen bestimmt auch, werden von mir aber nicht erkannt. Meist sind wir allerdings an den nächsten Strand gegangen, weil der deutlich weniger kieselig war und auf einer Länge von mehr als 3 km vielleicht noch 3 andere Menschen da waren, wenn überhaupt:

Menschenleerer Lieblingsstrand

Um an den Strand zu gelangen, musste der Hausstrand überquert werden, eine Treppe hochgeklettert werden, ein schotterreicher Hügel, dann quer über losen steil abfallenden Sand, noch mehr Geröllhügel ohne vorgezeichneten Weg, dann über den Sand runter (ca. 30 m), eine kurze Kletterpartie um die Felsen herum und schon war man da. Das dauert nicht so wahnsinnig lange, aber es erklärt, warum es den meisten zuviel war und wir den Strand nahezu für uns alleine hatten.
Wenn man noch um die nächste Ecke weiterspaziert ist, ist man irgendwann dann an der Taverne Apanemia, die einzige da im Umkreis, die halbwegs ordentliches Essen anbietet. Der Besitzer wirkt immer, als wäre er ziemlich bekifft, was das ganze natürlich auch sehr entspannt macht. Ich würde dringend davon abraten, hier hin zugehen, wenn man es gerade sehr eilig hat. Das kann nicht gut gehen. Essen für Vegetarier in Griechenland ist meiner Erfahrung nach immer eine etwas haarige Angelegenheit: gefühlt scheinen Griechen der Meinung zu sein, dass es ohne totes Tier kein richtiges Essen sei und am besten müssen Teile des Essens frittiert sein, so scheint es zu eigentlich allem außer Salat grundsätzlich Pommes dazu zu geben. Es gibt zarte Ansätze, die sich hoffentlich mit der Zeit ausbauen, dass sie erkennen, dass es zumindest Touristen gibt, die wirklich, ehrlich kein Fleisch oder Fisch essen. Das geht in den etwas größeren Städten anscheinend schon besser, als es in den verschlafenen Tavernen am Rande des Nirgendwo… ich hoffe auf Besserung. Bis dahin lebe ich eher von kleinen Vorspeisen und griechischem Salat.

Taverna Apanemia in Triopetra

Ein paar Ausflüge in die Umgebung, so man denn gesamt Kreta als Umgebung betrachten will. Das Kloster Agia Triada ist ganz wunderbar – von venezianischen Brüdern, die zum orthodoxen Christentum übergetreten waren erbaut und bis heute bewohnt und bewirtschaftet. Sehr venezianisch gerpägte Bauweise. Das Kloster liegt inmitten von Olivenhainen, die eine Einnahmensquelle für die Mönche sind. Ich musste natürlich auch vom Olivenöl mitnehmen: zu Vergleichszwecken habe ich sowohl konventionelles Öl als auch die Biovariante mitgebracht. Zu meinem Erstaunen wird das Öl sonst in Deutschland über Manufactum vertrieben.

Das Kloster Agia Triada

Im Kloster gab es, wie fast überall, halbwilde Katzen. Und weil ich mein eigenes Fusselvieh irgendwann doch vermisst habe, musste ich die Biester zumindest fotografieren. Die meisten sind eher scheu was Menschen angeht, höchstwahrscheinlich zu recht.

Katzenmethadon

Chania ist interessant, aber schon in der Vorsaison eher anstrengend, was das Touristenaufkommen angeht und vor allem sind mir die ganzen Anquatscher der Restaurants und Geschäfte auf den Keks gegangen. Wunderbarer Mix aus griechisch-orthodox, venezianische und ottomanisch – die Janitscharenmoschee steht noch im Hafen, auch wenn sie mittlerweile entweiht ist.

Venezianischer Hafen in Chania

Mit TK, das habe ich gelernt, kann ich zwar wunderbar Erholungs- oder Sporturlaub machen, aber bitte keinen Kultururlaub. Denn beim Besuch des Palastes von Festos (und später auch Knossos) gab es doch gar deutliches Gegrummel, warum denn jetzt die alten Steine und Trümmer bestaunt werden müssten. Ich fand es sehr interessant und würde da gern noch einmal hin und jemanden verurteilen, mir das im Detail zu erklären.

Pythoi in Festos

Großer Fehler: Besuch in Matala. Das mag ja in den 60er Jahren eine Hippie-Siedlung in total romantischen Höhlen gewesen sein, aber jetzt ist es ein fürchterlicher, billiger, von Pauschaltouristen hochfrequentierter Ort. Die Höhlen sind noch halbwegs erträglich, aber die hat man ehrlich gesagt in 10 Minuten auch fertig angeschaut. Das hat für mich einfach nicht die historische Relevanz oder auch nur das historische Interesse, wie die Höhlenstädte in Kappadokien. Ich würde eher dazu raten, den Ort komplett bei einem Kreta-Besuch Links liegen zu lassen. Da hat man woanders schöneres zu begutachten.

Matala

Kein Kreta-Besuch ohne das bronzezeitliche Disneyland: Knossos. Evans hat nach dem Ausbuddeln ja einiges wieder so aufgebaut, wie er denkt, dass es vor knapp 4.000 Jahren mal ausgesehen haben mag. Das hilft zwar, wenn man sich sowas sonst gar nicht vorstellen kann, aber wirkt ein wenig falsch und ja, disneyartig. Der Thronsaal war wohl allerdings weitgehend erhalten – also, zumindest der Thron und die Fresken, über den Rest wollen wir lieber schweigen.

Thronsaal in Knossos

Kreta ist toll, das mit dem Essen üben wir noch ein wenig und ich will wieder hin. Kultur, Yoga, Wandern, Schwimmen… alles steht auf dem Plan. Vor allem hat dieses Mal die Zeit nicht für einen Ausflug in die Samaria-Schlucht gereicht, zu meinem großen Bedauern. Die möchte ich auf jeden Fall noch ein wenig durchwandern, bei einem zukünftigen Besuch.

Und Rezepte gibt es die Tage auch mal wieder. Wirklich.

Advertisements