Das Prinzip des 3-Euro-Kochens wurde ja hier und hier schon vorgestellt. Weil wir aber alle älter, reicher und biolastiger geworden sind, wurde aus dem 3-Euro-Kochen nun ein 5-Euro-Kochen. Am Freitag war es wieder soweit: wir haben uns bei einem Freund getroffen und alle fleißig eingekauft. Wobei bei 5 Euro pro Nase dann doch sehr viel an Kram zusammenkommt, der einfach nicht vollständig verarbeitet werden kann.
Ich habe mich bemüht, alles halbwegs ordentlich zu fotodokumentieren, muss aber ein wenig rumnölen: die Lichtverhältnisse für Fotografie ohne Blitz waren, zumindest mit meiner Klickklack, ein wenig schwierig. Zum Essen passende Hintergründe zu finden, war ein wenig schwierig und die Geschirrform für mich ungewohnt. Ich weiß einfach nicht, aus welchen Winkeln das am besten aussieht. Was also dabei herausgekommen ist, könnt ihr selber sehen. Rezepte gibt es keine. dontblog und ich haben die Federführung beim Entscheidungsprozess übernommen, was denn gekocht werden soll und waren  hauptverantwortlich für die Umsetzung. Ich möchte hier noch einmal betonen, dass der Prozess ein durchaus demokratischer sein kann – nur weil wir beiden eine überaus klare Meinung davon haben, was man mit den Sachen anstellen könnte heißt das noch lange nicht, dass wir nicht offen für input von der Seite sind. Wir würden sogar andere an den Herd lassen.
Das Problem mit Rezepten ist, dass wir alles im freien Fall gekocht haben und natürlich niemand mitgeschrieben hat, was wir denn jeweils verbrochen haben. Und es durchaus vorkam, dass die eine was angefangen, die andere es aber beendet hat. Also: Bilder nehmen und selber raten, wie das wohl zustande gekommen ist, wenn der Wunsch des Nachkochens entstehen sollte.

An Zutaten gab es das folgende verwackelte Bild:

  • 2 Dosen Kidneybohnen
  • 1 Tüte Vanillenachtisch
  • 1 Schachtel Kirschtomaten
  • 1 Feta
  • 1 Brie
  • 1 Camembert
  • Lauch
  • Knoblauch
  • Schinkenwürfel, light (ich bin mir immer noch nicht im Klaren darüber wie das eigentlich geht)
  • 2 Eier
  • 2 Möhren
  • 2 Süßkartoffeln
  • 1 Crème fraîche
  • 1 Zitrone
  • 1 Rotkraut im Glas (das wurde nicht verarbeitet: Ideenmangel)
  • 1 Rotkraut, frisch
  • 1 Zitrone
  • 1 Orange
  • 1 Basilikum
  • 1 Granatapfel
  • 500 g Joghurt, 10 % Fettgehalt
  • 2 Duftreis
  • 1 Polenta
  • 1 kleine Dinkel-Suppennudeln
  • 1 TUC-Kekse
  • 2 Avocados
  • 1 Chinakohl
  • 1 Mascarpone
  • 1 Schachtel heirloom tomatos
  • 1 Herz-Mozzarella
  • Rote Bete, vakuumiert
  • Kloßteig, ‚Seidenklöße‘
  • Falafeln
  • Trüffelbutter (schwarze Trüffeln)
  • 1 Haferflocken
  • mit Frischkäse gefüllte milde Chilis
  • 3 Chilis, rot und eher scharf

In erster Runde gab es Tuc-Kekse mit roter Bete und Brie. Der Brie wurde noch ein wenig gepfeffert und mit einem Hauch Olivenöl versehen. Nicht die inspirierteste aller Vorspeisen – mit Blauschimmelkäse wäre es sicherlich besser gewesen, aber es ist ein Anfang.

Gemischte Vorspeisenplatte mit klassischem Caprese aus dem Herz-Mozzarella, den heirloom tomatos und ein wenig vom Basilikum. Die gefüllten Schoten blieben wie sie waren. Die Falafeln wurden angebraten und bekamen eine Sauce aus Joghurt, Knoblauch, Basilikum, Zitronensaft. Es gab noch rote Bete und Käse: Ergebnis im Bild.

Avocadosalat mit Kidneybohnen, Feta, Chili und Basilikum, Sauce aus Zitronensaft und Olivenöl. Sehr klassisch, dachte ich zumindest, aber den meisten anderen war es sehr neu. Selbst ausgesprochene… Avocadohasser wäre zu viel, Avocadoskeptiker konnten von dem Salat überzeugt werden und haben sogar Geräusche gemacht, dass sie so einen Salat in Zukunft auch selber wiederholen wollen.

Langsam muss das Essen auch ein wenig wärmer werden. Eine Lauchsuppe stand an. Lauch, Crème fraîche, Camembert (hilfreich für die Zukunft: Camembert vorher entrinden. Das gibt sonst komsiche Klumpen), Suppennudeln, ein wenig Chili, ordentlich Muskat, Gemüsebrühe. So in etwa: sehr gut. Die Nüdelchen wurden mit der Zeit immer mehr und haben am Ende des Abends aus einer Suppe einen Eintopf kreiert.

Aus Süßkartoffeln und Möhren wurde ein leicht säuerliches, leicht scharfes, leicht süßes Gemüse mit Chili, Zitrone, Zucker. Die Polenta hat die ganze Schachtel Trüffelbutter abbekommen und es hat ihr sehr gut getan. Selbst die eher schwach dosierte Trüffelbutter ist hier schon gut zum Tragen gekommen.

Aus dem fertigen Kloßteig haben wir in mittlerem Unverständnis dessen, wie man daraus eine schöne Beilage zaubern kann, Kartoffelplätzchen mit Basilikum gemacht. Sie sehen super aus, sind aber ehrlich gesagt ganz schön gummiartig. Bis auf die Kruste, die ist ok. Muss Kloßteig gummiartig in seiner Konsistenz sein? Ich kenn mich da eher gar nicht aus. Ich halte mich bei Klößen nach Möglichkeit an Miniaturklöße, sprich Gnocchi (Gnotschi, wie die Fachfrau gerne sagt).

Der Rotkohl wurde zu einem Orangen-Zimt-Rotkraut verbaut und wurde durch die Zugabe von Traubensaft noch deutlich fruchtiger. Sowohl dontblog als auch mir wurde eine Unwilligkeit/Unfähigkeit zur Delegation und ein Hang zum Micromanagement unterstellt. Danach waren wir still und haben die anderen halt machen lassen. Ich kann nur sagen: das nächste Mal gibt es wieder genaue Bastelanleitungen und/oder Beispielschnitte. Das Rotkraut war uns eindeutig nicht fein genug geschnitten. Wir hatten zwar die Zeit, es auch so lange genug vor sich hin köcheln zu lassen, dass es eine angenehme Konsistenz entwickel hat, aber in dem Fall wäre mehr einfach mehr gewesen.

Langsam stellte sich immer drängender die Frage, was man denn mit dem Reis nur anstellen kann… Ich war schon sehr satt und hätte eigentlich nichts mehr gebraucht, aber aufgeben ist für Feiglinge. Also weiter im Text. Chinakohlblätter auslösen, blanchieren und mit einer Mischung aus gekochtem Reis und Tomaten (und Chili) füllen, optional mit einem Schinkenanteil für die Fleischesser und nachdem sie im Ofen ein wenig getrocknet wurden, kurz in der Pfanne angebraten. Die Krautwickel sind gar nicht schlecht, allerdings hätten wir sie eher an den Anfang und nicht an das Ende des Abends setzen sollen. Sie sind geschmacklich eher zurückhaltend und explodieren nicht mit neuen Eindrücken im Mund, sind aber an sich eine schöne Angelegenheit. Für einen möglichen Wiederholungsfall: will zwischen Vorspeise und Salat kommen.

Freestyle galt auch für die Keksartigen. Mehl, Butter, Zucker, Haferflocken, Eier und ein wenig Milch wurden zu einem Teig gerührt und gebacken. Sie sehen aus wie große Cookies, erinnern in der Konsistenz eher an kleine, flache Kuchen. Neu und nicht falsch. Dazu gab es eine wundervolle Crème aus dem Vanillepuddingpulver, ein wenig Zucker, Milch und vor allem der Mascarpone: göttlich. Der Granatapfel wurde ein wenig mit Zucker eingekocht. Der wird davon nicht wirklich schöner – er verliert leider seine leuchtende Farbe, verändert seine Konsistenz aber nicht sehr. Also Joghurt dazu und ein wenig abgeschmeckt. Hier hat sowohl farblich als auch Geschmacklich noch ein wenig Grün gefehlt: Zitronenmelisse wäre unser Kraut der Wahl gewesen.

Ein sehr schöner Abend, konservativ gekocht. Müssen wir bald wieder machen. Dann auch vielleicht wieder in weniger konservativ.

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