Ely Cathedral

Bereits im letzten Herbst gab es einen Ausflug nach Ely. Ely. Ely. Ely. Das klingt immer merkwürdiger, je öfter man das Wort sagt oder schreibt. Ely jedenfalls ist eine kleine Stadt nördlich von London und sogar ein wenig nördlich noch von Cambridge. Dabei aber sehr schön mit der Bahn angebunden, so dass man direkt von Stansted (ich hasse Ryan Air) dahin kommen kann. Dieser leicht merktwürdige Ortsname verdankt das Städtchen den Aalen, die in der Ouse (dem Ouse?) früher viel gefangen wurden. Die Haupttouristenattraktion ist die Kathedrale – wie üblich ein Projekt das sich über mehrere Jahrhunderte gezogen hat – mit einem Zusammenbruch des Turms auf halben Wege und darauf folgendem Neubau. Aber: schön hamse dis jemacht. Und vor allem auch wieder sehr schön restauriert in den 90ern.

Der Engländer liebt ausführliche Beschilderung

Es ist schier unglaublich, welche Textmengen in England überall im öffentlichen Raum untergebracht sind. Ich gehe da sehr schnell dazu über, die Schilder gar nicht mehr zu lesen, weil es schwierig wird zu unterscheiden, was jetzt tatsächlich (Gefahren) relevant ist und was nicht. Zumal es häufig – wie in diesem Fall kurz vor einem nicht gesicherten Bahnübergang – genügen würde, ein Schild hinzustellen. Es sind übrigens nicht alle Schilder und Hinweise zu diesem einen Bahnübergang auf dem Foto. Es gab noch mehr Gloriosität.

Spazierwege enthalten Kuhweiden

Gar nicht gut für mich: Spazierwege, die über Kuhweiden führen. Ich bin ganz eindeutig zu sehr Städter, als dass ich mich auf einer Kuhweide wohlfühlen würde. Treten die Biester nicht seitlich aus? Pferde sind eine andere Geschichte. Ich habe die Zeit zwischen 8 und 18 mit sehr viel Pferd gefüllt – Voltigieren, Reiten etc, so dass ich hier gut weiß, wann es Gefahrensignale sind und wann das Pferd einfach nur freundlich neugierig ist. Bei Kühen: keene Ahnung. Praktisch: der Fußpfad hat an einer sehr langen Brombeerhecke langgeführt und dank eines warmen Herbstes waren da lauter späte Früchte dran. Wir haben einen ordentlichen Eimer (ok, kleine Einkaufstüte) voll eingesammelt und später ein Apfel-Brombeer-Crumble gebacken. Nach einem Rezept der Mutter des Gastgebers, das ich auf keinen Fall verändern sollte. Ich würde beim nächsten Mal trotzdem gern noch ein paar Nüsschen oder so in den Teig machen. Hier habe ich auch das erste Mal Carnation Milk kennengelernt, was im Endeffekt Kondensmilch ist. Diese Milch wurde statt Eis oder Sahne aus nostalgischen Gründen zum Crumble gegessen. Ich habe mich doch lieber für Sahne entschieden.

Peacocks Tearoom!

Wir kommen zum Ziel des Ausflugs, für den ich tapfer die Kuhweide überwunden habe: Peacock’s Tearoom. Das ist der einzige Tea Room in Cambridgshire, der in die Tea Guild  aufgenommen wurde und somit deren illustren Ansprüchen an einen ‚proper tea‘ genügt. Ok, sie habe in 2011 sogar einen ‚Award of Excellence‘ bekommen. Ich habe mich auf jeden Fall sehr über den Ausflug hierher gefreut. Ich mag Cream Tea. Sehr. Es gehört zu den Geschenken für ein schönes Leben, einen ordentlichen Cream Tea am Nachmittag zu haben.

Vollblühender Neid

Der Tearoom ist großartig und selbst die Viertelstunde Wartezeit, bis endlich ein Tisch freiwurde hat sich sehr gelohnt. Es ist alles sehr liebevoll und ein wenig altmodisch eingerichtet. Einerseits passt alles irgendwie zusammen und andererseits ist es nicht zu sehr matchy-matchy. Sehr angenehm. Dadurch wirkt es wie eine moderne Interpretation eines klassischen Teezimmers, ohne zu gewollt designt zu wirken.

Walisischer Hasensnack

Für nicht-Freunde des Cream Teas wird hier auch gesorgt. Der GröFaZ hat sich meiner Empfehlung hingegeben und ein Welsh Rarebit (Welsh Rabbit) mit roter Zwiebelmarmelade bestellt und war angenehm überrascht, wie lecker so ein Snack sein kann. Der Legende nach ist dieser Käsetoast das, was der walisische Hasenjäger zu Abend gegessen hat, nachdem er mit leeren Händen von der Jagd heimgekehrt ist. Mir ist der Snack eh lieber als so ein Kaninchenbraten.

Fremde Konzepte: einfach Sahne ungeschlagen über den Kuchen gießen

Es gab noch mehr Cream Tea Verweigerer – zu dem Kuchen wurde Sahne gereicht. Aber nicht wie bei uns üblich in der Variante steif geschlagen und gesüßt sondern in flüssig-ungesüßt, was zu dem Rührkuchen sehr gut gepasst hat. Der war alleine schon süß genug.

Das einzig Wahre: Cream Tea.

Mein Cream Tea. Ich mag Cream Tea. Wirklich. Netterweise hier mit Varianten: Scones in natur und mit Rosinen (beides gut) und nicht nur mit einer kjlassischen Himbeermarmelade sondern auch mit damson jam. Also, Marmelade aus Kriechpflaumen. Erstaunlich gut. Das passte irgendwie noch einmal besser zu einem Tee im Herbst als die Himbeermarmelade, auch wenn die schon sehr gut gewesen ist.

Also. Ely ist nett und hübsch. Und wer schon fast in der Gegend ist, weil er sich Cambridge anschaut, der sollte noch die 3 Meter weiter fahren und einen Teestop im Peacocks einlegen.

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