Neulich, da haben wir das übliche Büro gegen Home Office in Ligurien eingetauscht, um zwischen den langen Wochenenden zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ein wenig Zeit im italienischen Frühling zu verbringen. Das mit dem warmen Wetter war nicht so richtig gegeben, aber immerhin gab es sonnige Tage (meist in Begleitung von viel Wind). Und den einen Tag sind wir nach Ventimiglia gefahren, um in den Botanischen Garten Hanbury zu gehen.
Jetze also keene Essensgeschichte, nur ein kurzer Spaziergang durch den botanischen Garten. Allerdings habe ich irgendwie wenig Bilder von den Pflanzen selber gemacht…. macht nüscht. Es ist schön da.

Nicht alle Parkplätze sind gleich.

Nicht alle Parkplätze sind gleich.

Kaum angekommen war es auf jeden Fall schon mal nicht falsch. Der Blick vom Parkplatz aus war über die Bucht von Ventimiglia und ist um Klassen schöner als Ventimiglia selber. Sonne und Regen haben sich so schnell abgewechselt, wie man das sonst eher nur von einem Apriltag kennt. Wölbchen an, Wölbchen aus. Auf dem Weg sah es doch dräuend dunkel aus, aber glücklicherweise sind wir weitergefahren und haben uns dem Wetter gestellt. Denn der Botanische Garten ist auf einer geschützten – der Nordwind kommt hier selten vorbei und es ist wärmer als in der Umgebung – Halbinsel und hatte deutlich mehr Sonne als Regen auf unserem Spaziergang.

Tradition ist was Schönes

Tradition ist was Schönes

Die Villa Hanbury ist ein wenig kurios: an dem Ort, wo sie jetzt steht, hat seit ca. 2000 Jahren ein Haus gestanden. Allerdings ist die aktuelle Variante erst aus dem 11. Jahrhundert und wurde sowohl beim Kauf durch Thomas Hanbury 1867 renoviert/restauriert als auch nach dem 2. Weltkrieg – der Garten wurde im 2. Weltkrieg ordentlich zerstört und brauchte ausführliche Arbeit zum Wiederherstellen. Sozusagen immer wieder neu, immer wieder gut. Und dabei immer am gleichen Ort seit einer kleinen Ewigkeit eine Villa.

Schildkröten. Ich mag Schildkröten.

Schildkröten. Ich mag Schildkröten.

Kein anderer Grund. Was essen so Schildkröten eigentlich? Salat? Ich habe versucht, sie mit Bambusblättern zu füttern: mochten sie nicht haben. Leider. Herr Hanbury hatte sein Vermögen in China gemacht und dabei das eine oder andere der dortigen Philosophie mitgenommen. In China gelten Schildkröten als Symbole für Langlebigkeit, Beständigkeit und Weisheit. Und im dortigen Teich wohnen einige Schildkröten in unterschiedlichen Grössenklassen.

Die moderne Version der Via Julia Augusta ist die Küstenbundesstrasse, auf der historischen kann man zumindest in diesem Abschnitt noch spazieren gehen. Allerdings ist der Garten von der Strasse durch hohe Mauern abgetrennt, so müssen zwar Wanderer nicht extra den Eintritt für den Garten zahlen, aber die Gartenbesucher können halt auch nicht so einfach mal ein paar Schritte auf der Via gehen. Die Strasse ist hier in der Originalbreite zu sehen, wenn auch natürlich nicht im Originalzustand, da die eigentlich in gepflastert und nicht in zugewachsen gehört.

Mein erster Fasan!

Mein erster Fasan!

Ich war völlig überrascht. Das Biest lief einfach im Garten herum! Fluchtdistanz war unter 2m (ja, ich habe das ausgetestet). Wahrscheinlich auch wieder so ein Überbleibsel aus römischen Zeiten, da der Vogel eigentlich in Asien heimisch ist, aber eben schon von den Jungs zur Jagd und zum Essen importiert worden ist. Eben weil es schon so lange Berichte über Fasanenjagd und Rezepte zur Zubereitung von Fasan gibt, hätte ich gedacht, dass der auch in Europa heimisch ist. So kann man sich  täuschen.

Der ursprüngliche Chinareisende.

Der ursprüngliche Chinareisende.

Mosaik auf einer der Aussenmauern der Villa, mit gut gewählter Pixelgrösse. Ich behaupte mal kühn, dass Marco Polo nicht wirklich der erste Chinareisende gewesen ist, aber er ist halt derjenige mit der bekanntesten Reisegeschichte. Auch hier war es für mich überraschend als ich gelernt habe, dass der Reisebericht ursprünglich weder auf Latein, noch auf Italienisch verfasst wurde sondern auf bretonisch. Was man nicht alles lernt, wenn man Populärliteratur liest – in dem Fall ist mir sogar die Quelle in Erinnerung geblieben ‚Der Puppenspieler‘ von Tanja Kinkel. Und ihr habe ich immer gern geglaubt, schon weil sie von der Ausbildung her Historikerin ist und am Ende ihrer Bücher Quellenangaben macht, herausstreicht, wo sie sich literarische Freiheiten genommen hat und Hinweise gibt, wo man mehr Informationen finden kann, wenn einen die Geschichtsperiode interessiert.

So, zurück zu den Hanbury Gardens: wer mal in der Gegend ist, das ist ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel und am unteren Ende des Gartens (wichtig) gibt es ein sehr charmanates Café, wenn auch ohne Blick auf das Meer, da zum Meer hin der Garten mit einer Mauer eingefasst ist. Ohne längere Pausen ist man in etwa einer Stunde einmal durch den Garten spaziert.

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